Forschung zu Langlebigkeit und andere Geschichten.

Langlebigkeit 101 – Wie funktionieren Fasten und Autophagie?

Hier erkläre ich, warum die Zelle Autophagie betreibt und wie das mit dem Fasten zusammenhängt. Für die Ungeduldigen: Es ist alles eine Frage der Energie-Produktion und -Nutzung. Also gut überlegen, ob wirklich die ganze Schoko auf einmal gegessen werden soll…

relaxed old man

Ich habe ein Rätsel für Sie! Was haben Jason Momoa (vielleicht bekannter als Khal Drogo, der Dothraki-Anführer aus der Fernsehserie The Game of Thrones), Hugh Jackman (The Wolverine, der coolste X-Men aller Zeiten), Gandhi und meine Oma Iva gemeinsam? Sie haben richtig geraten. Sie fasten regelmäßig oder haben alle regelmäßig gefastet. Meine Oma und Gandhi machten es aus spirituellen Gründen. Jason und Hugh tun es, um ihre Trainingsroutine zu unterstützen.

Warum Fasten?

Wie es Prof. Frank Madeo gerne sagt, es gibt nur einen Zustand, der den menschlichen Körper stärker verändert als das Fasten. Das ist der Tod! Fasten zwingt unseren Körper, die Energie und verfügbare „Bausteine“ für neue Moleküle möglichst effizient zu nützen. So wird nichts verschwendet und alles wird wiederverwendet. Ich habe Ihnen gerade das gesunde Geheimnis des Fastens verraten. Alles wird wiederverwendet! Unser Körper wird durch den Energiemangel gezwungen, die nicht notwendigen Moleküle abzubauen um Energie herzustellen.

Was hat eine Zelle mit Energie zu tun?

Man muss sich eine Zelle wie eine kleine Fabrik vorstellen. Solange die Rohstoffe geliefert werden, wird produziert. Die zellulären Rohstoffe sind Zucker und wenige andere energiereiche Moleküle (z.B. Fette, Eiweisse oder Alkohol). Diese nehmen wir über die Nahrung zu uns. Während diese kleine Fabrik für uns die Energie produziert, werden auch Nebenprodukte hergestellt. Diese sind nicht immer ganz unbedenklich. Die Zelle hat jetzt aber keine Zeit sich um den „Schrott“ zu kümmern. Deswegen wird alles in eine Art zellulären Lager gebracht. Dort sammelt sich dieser Schrott an bis nichts mehr rein passt. So können wir unter Umständen krank werden.

Wenn wir aber die Rohstofflieferung unterbrechen, gibt es keinen Produktionsdruck auf die Zelle. Dann kann sie sich der Entsorgung der Nebenprodukte und dem Recycling von dem molekularen Schrott widmen. Dieser wird im zellulären Magen verdaut. Somit wird wieder Energie hergestellt. Die schädlichen Moleküle werden entsorgt.

Diesen Prozess nennen wir Autophagie. Das Wort kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „sich selbst fressen“. Natürlich frisst sich die Zelle nicht ganz, aber wir Wissenschaftler übertreiben manchmal gerne. Unzählige Studien konnten Zeigen, dass Autophagie eine wichtige Rolle in Prävention verschiedener Erkrankungen eine Rolle spielt (z.B. Alzheimer, Krebs, Leberzirrhose). Zu viel Autophagie ist auch nicht gut, weil sich die Zellen zu Tode recyceln.

Autophagie, Fasten und Langlebigkeit

Es reicht ein schräger Visionär – und mehrere Generationen von Forschern haben plötzlich genug zu Tun. In diesem Fall waren es zwei. In den 1930er beobachteten McCay and Crowell, dass Ratten, die weniger Nahrung bekamen, im Labor länger gelebt haben. Mehrere Jahrzehnte später haben wir die Autophagie als den dafür verantwortlichen Mechanismus identifizieren können. Sie scheint ein von den wichtigsten Langlebigkeitsmechanismen zu sein. Unwichtig, ob wir von dem Resveratrol im Rotwein, vom Spermidin oder Fasten reden. Die Langlebigkeit durch Autophagie-Aktivierung bringt sie alle auf einen gemeinsamen Nenner.

Somit haben die Wissenschaftler von heute eine wichtige Aufgabe vor sich. Wir müssen herausfinden, wie genau Autophagie reguliert wird und wie wir sie am besten von außen steuern können. So werden wir vielleicht einen leichteren Weg zu einem längerem und vor allem gesunderem Leben finden.

Literaturquellen:

  1. Dean Stattmann, “Hugh Jackmann: No More Mr. Nice Guy”
  2. Nature Publishing Group “Cell Biology for Seminars”
  3. Schon, 2008
  4. Nixon, 2013
  5. McCay & Crowell, 1934
  6. James Damedeiros, “6 Reasons to Supplement with Resveratrol”
  7. Eisenberg et al., 2009
  8. Alirezaei et al., 2010
2 Kommentare
  1. Hallo,

    Danke für diesen interessanten Blog.

    [quote]Zu viel Autophagie ist auch nicht gut, weil sich die Zellen zu Tode recyceln.[/quote]

    Da stellt sich mir die Frage, ab wann kann es zu viel Autophagie werden.
    Wenn man etwa fastet und dann noch einen schwarzen Kaffee trinkt, kann es dann bereits zu viel Autophagie werden?
    Oder wenn man Sport betreibt, der ja meines wissens nach schon die Autophagie steigert, und dann noch Spermidin zuführt, kann dies die Autophagie zu stark aktivieren?

    Oder muss man sich im “normalen Leben” keine Sorgen über zu starke Autophaige machen?

    • Zu viel Autophagie im Körper kann man fast ausschließlich nur dann erreichen, wenn man an gewissen Erkrankungen leidet. Dazu zählen manche Tumorerkankungen im Endstadium und manche Autoimmunerkrankungen. Bei einem gesunden Erwachsenen ist das allerdings sehr unwahrscheinlich, da der Körper schon andere Warnzeichen rechtzeitig schickt. Grundsätzlich ist man nach 3-4 kalorienfreien Tagen immer noch sicher (unabhängig davon, ob man Kaffee trinkt oder nicht). Natürlich, gibt es hier Unterschiede von Person zur Person.

      Sport und Autophagie ist ein sehr spannendes Thema, das allerdings relativ schlecht erforscht ist. Ich versuche in den nächsten Monaten eine Zusammenfassung dazu zu schreiben. Es würde mich interessieren, ob das auch für andere so interessant ist.

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