Forschung zu Langlebigkeit und andere Geschichten.

Langlebigkeit, Zelltod und Altern: mein Forschungsinteresse

Langlebigkeit, Zelltod und Altern: mein Forschungsinteresse

Als Mikrobiologe gibt es viele Forschungsfelder. Sich für eines definitiv zu entscheiden, ist keine leichte Aufgabe. Vor einiger Zeit bin ich auf das Thema “Langlebigkeit” gestoßen. 

Vor etwa 5 Jahren habe ich die Entscheidung getroffen, meine wissenschaftliche Karriere in eine bestimmte Richtung zu lenken. Versteht mich nicht falsch, meine Erfahrung im Bereich der klinischen Molekulardiagnostik, industriellen Biotechnologie und molekularen Pflanzenphysiologie führte dazu, dass mein Wissens- und Interessensspektrum sehr breit geworden ist. Aber meine Begeisterung der menschlichen Sterblichkeit gegenüber ist immer stärker geworden. Als erstes entdeckte ich die Krebsbiologie als meine große Leidenschaft. Mir ging es nicht darum, die bösartigen Tumore aus dieser Welt auszurotten. Ich wollte sie verstehen. Ich wollte wissen, warum sich der menschliche Körper so was antun würde. Warum hat die Natur erlaubt, dass eine kleine zelluläre Rebellion das ganze biologische System (unseren Körper) in eine Todesgefahr bringt?

Neue Forschungsheimat

In der Gruppe von Prof. Frank Madeo am Institut für molekulare Biowissenschaften der Karl-Franzens-Universität in Graz habe ich die richtige Umgebung für eine solche Forschungsfrage gefunden. Zusammen mit Dr. Christoph Ruckenstuhl arbeitete ich an einem zellulären Krebsmodell …(wait for it)… in Hefe. Ich weiß! Das klingt verrückt! Eine Hefe kann keinen Krebs kriegen. Allerdings kann sie unter richtigen Bedingungen unkontrolliert wachsen und ihre Umgebung ausrotten, gleich wie ein Tumor. Wir wollten die Verbindung zwischen der menschlichen Lebensweise (vor allem im Bezug auf die moderne Ernährung) und dem unkontrollierten Zellwachstum an einem ethisch vertretbaren und leicht kontrollierbaren Modell schaffen. Je mehr ich mich mit dieser Fragestellung im Labor beschäftigte, umso klarer ist geworden, dass wir uns mit einem grundlegenden biologischen Phänomen auseinandergesetzt haben. Es ging nicht nur um die Krebszelle und ihre unersättliche Gier nach mehr. Wir arbeiteten unbewusst an der Essenz des Lebens. Unsere Experimente zeigten, dass die Verfügbarkeit der Nahrung den mikro-evolutionären Druck und die zelluläre Überlebensstrategie verändern kann. Warum und wie überlebt eine Zelle und wie wird ihre Umgebung dadurch beeinflusst? Das ließ sich super mit der primären Kompetenz von Frank Madeos Labor verbinden: Zelltod und Altern.

Die nächsten 3-4 Jahre habe ich mich mit den Methoden zur Langlebigkeit auseinandergesetzt. Vor allem wollte ich wissen, wie Langlebigkeit durch die Nahrung beeinflusst wird. Eine große Motivation dafür waren die Frauen in meiner Familie. Meine Familie mütterlicherseits kommt aus dem Süden Kroatiens und einige von diesen tollen Damen sind sehr alt geworden. Wir Männer in unserer Familie haben „den Kürzeren gezogen“. Es hat noch keiner von uns den hundertsten Geburtstag gefeiert. Meiner Groß- und Urgroßmutter zolle ich daher den größten Respekt. Altern als Forschungsthema ist so für mich auch emotional stark besetzt.

Mit Spermidin Leben verlängern?

Momentan arbeite ich an der Fertigstellung meiner Dissertation zu diesem Thema. Ich bin auch in die erste große klinische Studie zum Thema „Fasten, Gesundheit und Langlebigkeit“ involviert. Dazu habe ich viel Erfahrung mit verschiedenen „Verjüngungsmethoden“ gesammelt und eine Substanz ist mir als besonders interessant aufgefallen – Spermidin. Ich weiß… dieser Name klingt nicht sehr verlockend, aber einige Forscher und selbsternannte Experten haben in den letzten Jahren von dieser Substanz in höchster Euphorie berichtet. Um die wahre Geschichte von Spermidin zu erfahren, verlangt es eine ausführliche Auseinandersetzung mit Forschungsergebnissen, Geschichtsbüchern, persönlichen Geschichten und letztendlich mit der menschlichen Biologie. Das macht es schwierig, eine wissensbasierte Meinung zu diesem Thema zu bilden. Deswegen möchte ich in diesem Blog mein Wissen und Quellen zu diesem Thema teilen, in der Hoffnung, dass wir alle daraus etwas lernen können.

Was  zum Thema Spermidin ist wirklich wahr? Wo kann man von einer wissenschaftlichen Evidenz reden? Warum soll diese Substanz (nicht) wirken? Kann sie in der Praxis wirklich unsere Lebensspanne verlängern?

2 Kommentare
  1. Ich finde dieses Thema generell sehr spannend. Meine Großmutter ist drei Monate nach ihrem 100sten Geburtstag “gesund” gestorben. Sie hatte Augen wie ein Adler und das Gedächtnis einer jungen Frau. Sie hat speziell in den letzten 30 Jahren ihres Lebens nur mehr sehr wenig gegessen, weil sie ihre Zahnprothese verweigert hat. Das, was sie sich an Nahrung zugeführt hat, wurde mit dem Kiefer zermalmt. Meine Vermutung war immer, dass die lang anhaltende Gesundheit meiner Oma auch mit diesem “Flüssig-Kauen” (durch die Enzyme im Speichel wird ja auch der aufgenommende Zucker besser verwertet)der Nahrung zu tun hatte, und dann wohl auch mit dem Fasten in Form von wenig essen. Danke jedenfalls für diese spannenden Forschungsergebnisse!

    • Ich bin jedes Mal begeistert, wenn ich solche Geschichten höre. Meine Uroma war auch so eine Meisterin im Überleben. Es ist so genial, wie so etwas Simples wie Fasten so gut funktionieren kann.

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