Forschung zu Langlebigkeit und andere Geschichten.

Wie man das Verzichten lernen kann…

Wie man das Verzichten lernen kann…

Fasten wird oft mit Verzicht assoziiert. Daher ist eine Auseinandersetzung mit diesem Thema notwendig, bevor man mit dem Fasten beginnen kann.

Fasten wird oft als Nicht-Essen gesehen. Teilweise ist diese Beschreibung auch richtig. Allerdings, wie schon in den vorherigen Artikeln beschrieben, steht das Fasten auch für Gesundheitsverbesserung und einige andere Aspekte. Personen, die das regelmäßig Fasten schon mal praktiziert haben, berichten von einer neuen inneren und geistigen Stärke. Daher habe ich mich entschlossen eine andere Lebenseinstellung zu untersuchen, die auf einem ähnlichen Prinzip basiert. In diesem Artikel spreche ich die Themen Yoga und Meditation an. Da ich hier eher ungeübt bin, bat ich Silke Wollinger, eine Yoga-Lehrerin aus Oberösterreich, mir auf der Suche nach dem Wissen zu helfen.

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Warum sollte man Yoga machen?

Die Begegnung mit Silke beginnt auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise. Der erste Satz mit dem Sie mich begrüßt ist: “Du hast glückliche Augen!”. Ab diesem Moment war mir klar, dass dieses Gespräch eine andere Ebene erreichen wird. Ich werde mehr als nur ein Wissenschaftler sein müssen um in diesem Gespräch mithalten zu können.

Silke kam in ihrem Teenageralter das erste mal mit Yoga in Berührung. Je weiter sie sich in diese Richtung entwickelte, umso schwieriger wurde es einen Yoga-Lehrer zu finden, der ihr die Lebenseinstellung und Philosophie hinter Yoga erklären konnte. Deswegen hat sie sich für ihren eigenen Weg entschieden. Sie begann mit der selbstständigen Erforschung von Yoga vor mehr als fünf Jahren und darf heute einige Yogis und Yoginis auf ihren Weg betreuen.

Auf die Frage, was es sonst im Yoga neben vielen Dehnungen und verwirrenden Stellungen gibt, antwortet Silke sofort: “Die Yoga-Bewegungen sind entstanden um lange Meditationen für den Körper verträglicher zu machen. Der Sinn hinter Yoga ist vor allem der Fokus auf den Körper und die Innere Ruhe, die man dadurch erreicht. Die Bewegungsabläufe sind oft nur eine Nebensache.” Im weiteren Verlauf unseres Gespräches erklärt Sie mir wie wichtig es sei, jeden Tag sich Zeit für sich selbst zu nehmen und nach Innen zu lauschen, sei es bewusst auf den Atem zu hören oder mit Konzentration im Hier und Jetzt abzuwaschen – das nennt man Meditation. Damit kann sie sich besser auf das Wesentliche konzentrieren, im Hier und Jetzt – sei es im Berufsleben oder Privat.

Viele Yogis und Yoginis berichten von einem höheren “Anwesenheitsgrad” im Alltag, nachdem sie Yoga und Meditation praktiziert haben. Unsere Gehirne werden jeden Tag von Gedanken und äußeren Signalen überflutet. Im hektischen Alltag vergessen wir oft Unnötiges wegzuschalten. Früher oder später sind unsere Gehirne überreizt und können nicht mehr optimal funktionieren. Meditation erlaubt es durch den Fokus auf unseren eigenen Körper die überflüssigen Signale mal nicht wahrzunehmen. Nachdem man mit dem Praktizieren fertig ist, geht man viel bewusster durch den Tag. Das Gehirn hat endlich mal wieder die Kapazitäten voll bei einer Sache dabei zu sein.

Worauf sollte man beim Yoga verzichten?

Mittlerweile gibt es viele Yoga-Schulen, die ihre eigenen Wege etabliert haben. Daher existieren auch verschiedene Methoden der Selbst-Erkenntnis und bewussten Wahrnehmung im Yoga. Silke spricht von einem Erlebnis, dass auf sie einen großen Einfluss gehabt hatte. In Indonesien war sie in einem Schweige-Kloster. “Durch das Schweigen lernte ich mich und die Anderen besser zu verstehen. Nach gewisser Zeit wird einem bewusst, dass unserer Körper mit uns “sprechen” kann. Man bekommt plötzlich klare Vorstellung, was man essen möchte, was der Körper braucht und was sich gut anfühlt. Ich habe dadurch eine andere Wahrnehmungsebene erreichen können und meine Achtsamkeit dem Anderen gegenüber hat ich dadurch erhöht. ”  Durch Yoga erreicht man ein besseres Verständnis und Mitgefühl für seine Mitmenschen. Daher macht Silke auch Kurse für Unternehmen und Geschäftsleute, die neben Ihrer Gesundheit auch das Miteinander besser beherrschen wollen.

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Die Gründe für verschiedene Exkurse im Yoga sind in der Regel entweder (1) spiritueller oder (2) gesundheitlicher Natur. Auf der spirituellen Ebene erreicht man eine höhere Stufe der Selbstdisziplin und Aufmerksamkeit. Gesundheitlich (im breiteren Sinne) führt die Verzicht zu einer Beseitigung der Störungen und unnötigen Automatismen. Das Schweigen ist nur ein Beispiel dafür. Um sich auf die Meditation fokussieren zu können, verzichtet man auch oft auf Modernes und trägt nur noch die simple, traditionelle Yoga-Kleidung. Somit will man Unwichtiges ausschalten und nur bei sich selbst sein, ohne die Aufmerksamkeit auf die Kleidung zu lenken. In manchen Yoga-Schulen wird sogar das intermittierende Fasten praktiziert. In den anderen Verzichtet man auf gewisse Lebensmittel oder sogar auf die feste Nahrung. Ursprünglich versuchte man im Yoga auf Stoffe zu verzichten, die unsere Wahrnehmung beeinflussen können. Das Ziel dabei sei eine Selbsterkenntnis und eine klare Wahrnehmung, die durch Hilfsstoffe nicht verzerrt werden sollte.

Worauf könnten diese Effekte beruhen?

Unsere Gesundheit hängt stark von dem autonomen Nervensystem ab. Als autonomes Nervensystem bezeichnet man die Nervenaktivität die dazu beiträgt, dass gewisse Ereignisse in unserem Körper (z.B. Herzschlag) unwillentlich ablaufen können. Dieses besteht aus dem Sympathikus, dem Parasympathikus und dem enterischem Nervensystem (Magen-Darm-Regelsystem, das mit den anderen zwei wechselwirkt). Während Sympathikus als Reaktion auf die körperliche Aktivität ist, wird Parasympathikus meistens als “Entspannungsphase” bezeichnet.

Ein von den wichtigsten Mechanismen der Wirkung von Yoga ist gerade die Einschaltung vom Parasympahtikus – der Entspannungsphase im Körper. Dieser Eingriff in die Physiologie des menschlichen Körpers kann die Herz-Rate, Blutdruck, die Atemfrequenz und viele andere Aspekte unseres Körpers beeinflussen. Zum Beispiel, ein von den wichtigsten Parametern zur Einschätzung vom Risiko für Herzinfarkt – die Herzratenvariabilität, wird durch Yoga schon nach einem Monat signifikant erhöht. So wird die Gefahr für den Herzinfarkt, aber auch gewisse andere gesundheitliche Beschwerden bedeutend verringert. Welche Rolle Parasympathikus-Aktivierung und Herzratenvariabilität auf unsere Gesundheit haben und was das mit dem Fasten zu tun haben könnte, werde ich in meinem nächsten Artikel beschreiben.

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In der Zwischenzeit kann ich nur empfehlen, in die Welt von Yoga einzutauchen. Vielleicht auch gleich im Rahmen einer Yoga-Stunde mit Silke in Graz oder Oberösterreich. Auch wenn Sie die gesundheitlichen Effekte nach der ersten Stunde nicht spüren, werden Sie bedeutend entspannter sein.

Namaste.
Fotos: Thomas Polzinger

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